Krankenpflege
Krankenpflegerin Fiona Rösner und den Corona-Verdachtsfall trennen nur diese Schleuse

Kommunales Krankenhaus

Krankenpflege – Mehr Anerkennung für mehr Leistung

Als die Coronakrise begann, stand die Krankenpflege für kurze Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch am harten Arbeitsalltag hat sich wenig geändert. KOMMUNAL hat zwei Krankenpflegerinnen im städtischen Klinikum Brandenburg besucht.

„Ich glaube, jede Krankenschwester hat das angeborene Helfersyndrom“, sagt Fatima Lau und lacht. Sie ist eine von zwei Krankenpflegerinnen, die ich an diesem Tag im städtischen Klinikum Brandenburg treffe. Wir befinden uns im Stationszimmer. Hinter uns rattert das Rohrpostsystem, mit dem allerlei Proben versandt werden.

Die Arbeit am Patientenbett ist körperlich anstrengend

Fatima hat sich gleich nach dem Abitur zur Krankenpflegerin in dem kommunalen Eigenbetrieb ausbilden lassen. Jetzt ist sie Gruppenleiterin auf der Station für Allgemein- und Viszeralchirurgie - und das mit gerade mal Ende 20. Fatima weiß: „Jeden Tag am Patientenbett zu wuchten und zu ackern, ist wirklich hart.“ Sie wollte weiterkommen und als sich die Gelegenheit ergab, nahm sie die Stelle an. Anfangs noch verunsichert, ob ihre Kollegen sie wegen ihres jungen Alters respektieren würden, hat sie sich eingefunden und ist offenbar glücklich über ihre Entscheidung.

Das sind die Aufgaben einer Gruppenleiterin in der Krankenpflege

Als Gruppenleitern arbeitet sie nur noch zu 25 Prozent am Patientenbett. Die andere Zeit sorgt sie dafür, dass die Pflege auf ihrer Station rund läuft: Sie kümmert sich um die Personalplanung ihrer Station, organisiert Dienstpläne und ist wichtige Ansprechpartnerin für ihre Kollegen. Sie verwaltet Patientenakten, protokolliert Pflegeleistungen im internen Computersystem und koordiniert die Aufnahme und die Entlassung von Patienten. Wenn es Probleme wie Überbelegung oder Personalausfall gibt, sucht sie nach Lösungen.

Krankenpflegerin Fatima Lau
Gruppenleiterin Fatima Lau beim Patientenmanagement

Eine Pflegekraft ist näher am Patienten

Als ich Fatima heute treffe, ist sie schon seit vier Stunden auf den Beinen. Ihr Arbeitstag begann um 6 Uhr. Bis 6:30 Uhr war Übergabe vom Nachtdienst. Dann folgte die Bettenrunde, auf der die Patienten ihre Werte gemessen bekommen und die Betten gemacht werden. Um 7 Uhr war die Morgenvisite mit den Ärzten. „Die Visite begleite ich, damit die Ärzte eine Ansprechperson haben“, erklärt Fatima. „Die Ärzte brauchen uns, weil wir oft näher am Patienten sind und natürlich viel über sie erfahren.“

Überdies ist die junge Krankenschwester noch Anleiterin und bildet Pflegekräfte aus. Gerade melden sich zwei Schülerinnen für den Besuch beim Betriebsarzt ab. „Telefonbuch bin ich auch noch“, scherzt sie. Weil es oft schnell gehen muss, kann sie viele Rufnummern auswendig. Das Stationstelefon trägt sie immer bei sich und es klingelt auch jetzt. „Drei Zwei A Schwester Fatima.“ Trotz Stress bleibt sie professionell und freundlich.

Ihre positive Grundstimmung lässt sie sich offensichtlich nicht nehmen. Selbst dann, wenn die Patienten von Jahr zu Jahr älter und kränker werden. Auch ihre Kolleginnen werden älter und es fehlt der Nachwuchs. Auf ihrer Station kommen eine ausgelernte Pflegekraft und eine Serviceassistenz auf 18 Patienten. Die Assistenz darf nur reine Pflegeaufgaben übernehmen. Für Medizinisches – wie Verbände, Spritzen und Infusionen – ist sie nicht ausgebildet.

Die Krankenpflegerinnen müssen ihre Prioritäten setzen

„Jeder will sofort seinen Verband haben, jeder möchte sofort sein frisches Wasser haben, jeder möchte gewaschen sein“, schildert Fatima ihren Berufsalltag. „Jeder möchte seine Bedürfnisse, die ja selbstverständlich sind, gestillt haben.“

Die Arbeit muss so gut strukturiert sein, dass sie das in den acht Stunden schafft. Zerteilen kann sie sich nicht. „Wir müssen einfach Prioritäten setzen: Patienten mit großen Wunden werden zuerst versorgt. Danach gehen wir zu den Patienten, die entlassen werden wollen und anschließend erst zu denen mit den leichten Verbänden und die noch hierbleiben.“ Viele Patienten hätten dafür Verständnis, manche aber leider auch nicht.

Dass Personal fehlt, machte sich erst vor einer Woche besonders bemerkbar, als viele Kollegen ausgefallen sind. „Von meinem 19-köpfigen Team waren nur noch sechs Personen übrig“, erzählt die Gruppenleiterin. Die Nachbarstation musste einen Bettenflügel komplett schließen, damit die Mitarbeiter von dort aushelfen können.

In der Leiharbeit verdienen Pflegekräfte besser

Um die Patientenversorgung sicherzustellen, greift das Klinikum auf Zeitarbeitskräfte zurück. Die Arbeitsmarktsituation begünstigt den Weg in die Leiharbeit für Pflegekräfte. Sie verdienen dort besser und können ihre Arbeitszeiten planen – was nicht immer zum Vorteil des Stammpersonals ist.

Warum Fatima sich dann nicht selbst für Leiharbeit entscheidet? „Ich brauche mein festes Team. Ich brauche mein festes Haus. Ich brauche die Sicherheit, das Geborgene“, antwortet sie. „Ich gehe zur Arbeit und kenne dort die Kollegen, mit denen ich heute arbeite. Ich brauche mein Fachgebiet. Ich bin auch kein Typ, der für seine Arbeit pendeln würde“, sagt sie.

Klinkum Brandenburg
Das Klinikum Brandenburg hat seine eigene Medizinschule

Kommunale Krankenhäuser erfüllen wichtige Funktionen

Investitionsstau und wenig Geld in den Kommunen - der wirtschaftliche Druck auf kommunale Krankenhäuser wächst. Dabei sind sie wichtig für die flächendeckende Daseinsfürsorge. Ohne bessere Gehälter und Entlastung wird der Fachkräftemangel in der Pflege nicht zu lösen sein.

„Wir sind super aufgestellt mit Medizinprodukten“, stellt Fatima fest. „Es gibt alle nötigen Geräte, aber entlastet wird das Pflegepersonal kaum.“ Vor allem nicht dann, wenn den Mitarbeitern doch immer mehr abverlangt werde. „Es ist immer mehr, mehr, mehr… Ihr müsst mehr schaffen, mehr schaffen, mehr schaffen“, beschreibt Fatima die Situation eindringlich.

Coronakrise - die Krankenpflege stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

Dass die Gesellschaft zu Beginn der Corona-Krise endlich mal auf die Krankenpflege geschaut hat, darüber ist Fatima sichtlich erfreut. „Aber doch nur für zwei Wochen?“, frage ich skeptisch. „Aber immerhin für zwei Wochen“, erwidert sie prompt.

Dennoch, Fatima wirkt desillusioniert. „An sich hat sich im Krankenhaus nichts verändert“, sagt sie. „Klar, es wurden Beatmungsbetten geschaffen, es wurde investiert und auch räumlich wurde die Versorgung gewährleistet. Aber beim Personalschlüssel und bei der Arbeit mit Nicht-Corona-Patienten hat sich wenig geändert.“ Auch dass die 1.000 Euro Prämie vom Bund nur noch Beschäftigten in der Altenpflege zugutekommt, stößt bei ihr auf Unverständnis. Denn über ihre Kollegen auf den Corona-Stationen weiß sie: „Sie bringen sich selbst in Gefahr, sie bringen ihre Familien in Gefahr…“ - Auch sie hätten dafür Anerkennung verdient.

Die Arbeit auf einer Corona-Station ist herausfordernd

Fiona Rösner ist so eine Kollegin. Sie ist Mitte 20 und arbeitet auf der internistischen Intensivstation – einer Covid-Station, wie sie sagt. Der Pflegeschlüssel hier ist ein anderer: Eine Pflegekraft kommt auf zwei Patienten. Die Arbeit auf der Intensivstation ist für Fiona herausfordernder und sie ist gerne hier.

Wie Fatima hat sich auch Fiona vom städtischen Klinikum ausbilden lassen und ist geblieben. Die Heimatnähe war bei ihrer Wahl der Ausbildungsstätte entscheidend. Dass das Klinikum eine eigene Medizinschule hat, war ein weiterer Pluspunkt. „Da hier alles an einem Fleck ist, war das mehr als positiv“, sagt Fiona.

Es ist kurz vor Feierabend und Fiona zeigt mir noch ihre Station. Dort versorgte sie auch Corona-Patienten. Aus der Stadt Brandenburg an der Havel kam bisher nur ein Patient. Weitere Fälle kamen aus Potsdam: Im dortigen Bergmann-Klinikum kam es zu einem Corona-Ausbruch mit mehreren Todesfällen. Bis auf die unabweisbaren Notfälle, wurden Neuaufnahmen auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt.

Krankenpflegerin Fiona Rösner
Krankenpflegerin Fiona Rösner arbeitet auf der Intensivstation

Die Krankenpflegerin muss sich vor Corona gut schützen

In ein Zimmer mit einem Verdachtsfall können wir nur durch die Fensterscheiben der Schleuse blicken, die uns von dem Patienten trennt. An der Seite hängen die Schutzanzüge. „Wenn du in so einem Zimmer stehst und voll vermummt bist, ist das wirklich anstrengend“, erzählt Fiona. „Du hast halt nicht nur diesen Mundschutz. Du hast noch eine Haube, ein Visier und unter dem Visier vielleicht noch eine Brille. Der Kittel und die Handschuhe – das ist einfach anstrengend.“

Wer Fatima und Fiona genau zuhört, merkt schnell: Vieles war vorher schon am Limit – Covid-19 hin oder her. Es braucht dringend Verbesserungen in der Pflege, denke ich. Als Arbeitgeber können Kommunen sich für ihr Personal einsetzen.