Fünf-Punkte-Plan gegen Extrem-Wetter und Hochwasser(Bild)
Experten raten: So können sich Kommunen besser gegen extreme Wetterereignisse und Hochwasser wappnen.
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Kastrophenschutz

5-Punkte-Plan für die klimasichere Kommune

Starkregen oder Hitze und langanhaltende Trockenheit - das Wetter wird immer extremer. Es ist daher Zeit für ein groß angelegtes Klimaanpassungsprogramm, fordern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) haben die Forscher 5 Prinzipien definiert, an denen sich Städte und Gemeinden für einen klimasicheren Umbau künftig orientieren sollen.

Zuletzt führten Unwetter mit starkem Regen in mehreren Bundesländern zu verheerenden Konsequenzen: Zahlreiche Menschen starben bei Überschwemmungen, es gab zahlreiche Verletzte, immer noch werden viele Bewohner in den Hochwassergebiete vermisst. Bis die Schäden behoben und die Häuser wieder aufgebaut sind, wird es noch lange dauern. 2018 und 2019 hingegen kämpfte Deutschland gegen die langanhaltende Trockenheit und Hitze. Die Gegensätze nehmen also zu. Klimasichere Kommune lautet nun das Schlagwort - doch was ist das?

Klimasichere Städte und Gemeinden

„Es ist an der Zeit, ähnlich wie beim Klimaschutz, ein groß angelegtes Klimaanpassungsprogramm auf den Weg zu bringen“, appellieren Wissenschaftler an die Kommunen. „Es gilt, das Risikomanagement von Wetterextremen und den Bevölkerungsschutz sowie die strategische Planung in Kommunen und Städten weiter zu stärken. Ziel muss es sein, die Klimasicherheit von Gemeinden und Städten auf ein neues Fundament zu stellen."  Das gehe nur gemeinsam: Dafür bedürfe es "der weiteren Verbesserung unserer Wissensgrundlage, aber auch der Kooperation aller Akteure, inklusive der Politik und der Behörden von Bund und Ländern, privater Unternehmen, Vereine sowie der einzelnen Menschen vor Ort", so die Forscher. Jüngere Klimastudien zeigten, dass beide Extreme wahrscheinlich noch zunehmen werden.

Das sind die fünf wesentlichen Prinzipien der Experten für den geforderten Umbau zur Klimaanpassung in den Kommunen:

1. Frühzeitig vor Hochwasser warnen

Auch für kleinere Flusseinzugsgebiete sollte die Vorhersage von Hochwasserwellen verbessert und es gehörten zuverlässige Warnsysteme aufgebaut. Daneben müsse eine dauerhafte und verlässliche Kommunikation mit Vertretern von Städten und Gemeinden sowie den Bürger vor Ort geschaffen werden. Der eindringliche Appell lautet: Nur eine Warnung, die Menschen verstehen und der sie vertrauen, wird zu den gewünschten Handlungen führen.

2. Wasser besser speichern

Neben etablierten Schutzlösungen wie Deichen, Mauern und Poldern sollten Städte und Gemeinden und Landschaften wie Schwämme konzipiert werden. Der Wasserrückhalt in der Landschaft gehöre verbessert. "Jeder Kubikmeter Wasser, der nicht über die Kanalisation in Bäche und Flüsse eingeleitet wird, trägt zur Abflachung von Hochwasserwellen bei", betonten die Forscher. Dies könne aber schwere Überschwemmungen in Extremwetterlagen wie zuletzt bei der Hochwasser-Katastrophe im Juli, nicht verhindern. Daher müssten der Wasserrückhalt und das Speichervermögen von Flussauen, Wald- und Agrarlandschaften erhöht werden. In den dichter besiedelten Bereichen sorgten dafür  zusätzliche Grün- und Freiflächen, raten die Wissenschaftler. Ihr Tipp: Gerade für extreme Niederschläge zusätzliche Speicherräume und grüne Infrastrukturen konzipieren, damit diese auch als Notwasserwege dienen können. Ein hohes Speichervermögen für Wasser helfe nicht nur in Hochwasser-, sondern auch in Trockenzeiten.

3. Klimaprüfung bei kritischer Infrastruktur

Bei der Sanierung, dem Wiederaufbau nach Katastrophen und dem Neubau von öffentlichen Infrastrukturen und Gebäuden müssten die Folgen des Klimawandels abgeschätzt werden und neue Bemessungswerte geschaffen werden. Infrastrukturen, etwa die Versorgung mit Wasser, Strom, müssten so konzipiert werden, dass sie auch in extremen Wetterlagen funktionieren oder entsprechende Rückfalloptionen erlauben. "Es ist nicht hinnehmbar, wenn gerade während einer Krise notwendige Kommunikationsnetze, medizinische Dienstleistungen und Einrichtungen ausfallen, da sie nicht hinreichend auf solche Extremereignisse vorbereitet sind", schreiben die Forscher.

4. Klimasicherheit fördern - schon beim Bauantrag informieren

Beim Neubau und  der Sanierung im Bestand gilt es, die Klimasicherheit von Gebäuden von Anfang an mitzudenken und den Schutzstandard zu erhöhen - vor allem auch von Einrichtungen, die besonders vulnerable Gruppen wie Kinder, Senioren oder behinderte Menschen beherbergen. Dafür bedürfe es, ähnlich wie bei der energieeffizienten Sanierung, finanzieller Förder- und Anreizinstrumente und vorsorgeorientierter Versicherungsprämien. Auch schon bei Bauanträgen und Immobilienverkäufen sollten systematisch entsprechende Informationen über Starkregen- oder Hochwassergefahren bereitgestellt und abgefragt werden, schlagen die Experten vor.

5. Gemeinsames Ziel: Klimasicherheit

Um den Umbau zu einer klimasicheren Kommune zu bewerkstelligen, bedarf es des Innovations- und Gestaltungswillens auf Seiten von Städten, Gemeinden, Investoren und Privatpersonen. Gleichzeitig aber muss es dafür  Finanzierungs- und Anreize durch den Bund und die Länder geben, machen die Verfasser des Fünf-Punkte-Plans klar.  Nutzen und Lasten des Umbaus hin zu klimasicheren Städten und Gemeinden sollten solidarisch verteilt werden, so die Wissenschaftler außerdem. Gemeinden, die im Oberlauf von Flüssen mehr Raum für Wasser schaffen, werden davon nur indirekt profitieren, Kommunen im Unterlauf aber unmittelbar, da das Überflutungsrisiko durch die Maßnahme reduziert wird.

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