Homeoffice: Frau und Hund vor dem Laptop
Die Infektionszahlen sollen durch mehr Homeoffice gesenkt werden.
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Öffentlicher Dienst

Homeoffice: Kommunen rüsten auf

Arbeitgeber müssen überall dort Homeoffice anbieten, wo es möglich ist. Das sieht die seit Mittwoch, 27. Januar, vorerst bis 15. März geltende Corona-Arbeitsschutz-Verordnung vor. Damit will die Bundesregierung das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz weiter reduzieren. Die öffentliche Verwaltung hat seit Beginn der Pandemie gezeigt, wie flexibel sie sein kann - doch reicht das aus? KOMMUNAL hörte sich in Kommunen und bei Bürgermeistern um.

Mehr von zu Hause arbeiten - das ermöglichen bereits alle Verwaltungen teilweise ihren Mitarbeitern. Wie viel von daheim erledigt werden kann, hängt aber stark von den Aufgaben der Beschäftigten und von den technischen Bedingungen ab - und bislang wohl auch davon, wie der Vorgesetzte generell mobilem Arbeiten gegenübersteht. Wieweit sind  Kommunen in der Lage, die neuen Homeoffice-Bestimmungen in der Corona-Krise umsetzen? Das Echo ist höchst unterschiedlich.

Stadt Nürnberg sieht sich bei Homeoffice gut aufgestellt

„Wir haben aktuell 4.020 Homeoffice-Plätze bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung eingerichtet. Das sind etwa 57 Prozent des  geschätzten Potentials von 7.000 Plätzen", sagte der Sprecher der Stadtverwaltung Nürnberg, Andreas Franke, auf Anfrage von KOMMUNAL. Die Stadt wäre also technisch in der Lage, noch mehr Beschäftigte  zu Hause arbeiten zu lassen - dementsprechend gelassen reagiert die fränkische Kleinstadt  und Heimat von Ministerpräsident Markus Söder auf den Beschluss der Regierung. Er kam auf Grundlage des Beschlusses von Kanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs zustande und lässt noch sehr viel Spielraum.

Wie aber soll die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung aufrechterhalten werden, wenn nun mehr Mitarbeiter ins Homeoffice wechseln? In Nürnberg setzt man auf die Kombination aus normalem Büro- und Schalterbetrieb mit Masken- und Distanzpflicht, Terminvergabe, Besuchersteuerung und Plexiglasscheiben, Homeoffice und Schichtbetrieb. "Damit haben wir einen guten Mix gefunden, mit dem wir unsere Leistungsfähigkeit für die Bürgerinnen und Bürger aufrechterhalten können", betonte der Sprecher der Stadtverwaltung.

Die neue Arbeitsschutz-Verordnung schreibt auch Schutzmaßnahmen für diejenigen Beschäftigten vor, deren Anwesenheit im Betrieb unverzichtbar ist. So müssen für das Arbeiten im Betrieb Arbeitgeber medizinische Gesichtsmasken oder FFP2-Masken zur Verfügung stellen, wenn Anforderungen an Räume oder Abstand aus bestimmten Gründen nicht eingehalten werden können.

Reserve-Laptops werden jetzt eingesetzt

Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues in Rheinland-Pfalz, versucht seit Beginn der Pandemie Doppelbesetzungen in Büros zu vermeiden und will nun stärker auf die Reserve-Laptops zurückgreifen. "Natürlich müssen wir auch noch als Ansprechpartner für die Bürger da sein, so ist beim Bürgerbüro oder im Standesamt weiterhin der persönliche Kontakt erforderlich", so Wächter. "Es gibt auch ältere Bürger in unserer Verbandsgemeinde, die Dienstleistungen nicht über das Internet abrufen wollen."

Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz gegen Corona

"Ich halte es für richtig, dass Homeoffice nicht verpflichtend geregelt wird", sagt der Oberbürgermeister von Karlsruhe, Frank Mentrup. Im ersten Lockdown seien die Mitarbeiter bei der Stadtverwaltung zwischen 30 bis zu 50 Prozent im Homeoffice gewesen. "Das hat viel mehr Abstimmung erfordert", so sein Fazit. Wichtig seien möglichst gute Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. "Wir haben strenge Hygieneregeln und eine schärfere Maskenpflicht als draußen", sagte er. Unter den 6000 Mitarbeitern wurden laut Mentrup bislang wenige Corona-Infektionen festgestellt, die Quarantäneregeln seien daraufhin streng eingehalten worden.

Potsdam: Mobiles Arbeiten durch Remote-Zugriff

"Täglich arbeitet in der Landeshauptstadt Potsdam aufgrund der Pandemielage zurzeit ein großer Teil der Mitarbeitenden mobil“,  berichtet Dieter Jetschmanegg, Dezernent des Geschäftsbereichs Zentrale Verwaltung. Die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam erleichtert seit Mitte Dezember vorigen Jahres ihren Beschäftigten das mobile Arbeiten deutlich, wie sie mitteilte. Mit einem sogenannten Remote-Zugriff  können Mitarbeiter vom eigenen Heim-PC aus eine verschlüsselte Verbindung mit ihrem Computer in der Verwaltung und somit auch mit den IT-Services, Anwendungen und Daten der Stadtverwaltung erhalten. "Damit steht dem mobilen Arbeiten auch ohne zusätzlich anzuschaffende Laptops nichts mehr im Wege", so Dieter Jetschmanegg, Mit dem Verfahren kann beispielsweise von zu Hause aus auf sämtliche dienstliche Ordner, Dateien, Fachanwendungen oder E-Mails über einen privaten PC zugegriffen werden. „Das Verfahren läuft technisch reibungslos."

Eine steile Lernkurve in Sachen Homeoffice

„Die Städte haben in Sachen Homeoffice eine steile Lernkurve hinter sich“, betont Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Zu Beginn der Pandemie seien in kürzester Zeit Endgeräte beschafft und digitale Zugänge eingerichtet worden.

Burkhard Jung, Präsident der Städtetages, forderte angesichts der Pandemie gegenüber der Funke-Mediengruppe: " Die Städte müssen beim Homeoffice als Vorbild wirken, um persönliche Begegnungen noch stärker zu verringern."

Wuppertal: Über die Hälfte der Verwaltung im Homeoffice

In Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) sind derzeit über 50 Prozent der gesamten Verwaltung im Homeoffice oder arbeiten mobil. "Die Stadtverwaltung verfügt über mehr als 1630 Heimarbeitsplätze, dazu sind in der Corona-Pandemie 1466 mobile Arbeitsmöglichkeiten dazugekommen", sagte der Sprecher der Stadt, Thomas Eiting. zu KOMMUNAL.

Falkensee: Mitarbeiter in Kernverwaltung arbeiten zu 80 Prozent mobil

Heiko Müller, Bürgermeister der Kleinstadt Falkensee bei Berlin, ermöglicht es nach eigener Aussagen jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeitern in der Kernverwaltung mobil zu arbeiten. "Momentan arbeiten unsere Beschäftigten 80 Prozent von außerhalb und 20 Prozent sind Präsenzzeit." Seine Erfahrung: Nur wenn Beschäftigte zumindest zeitweise anwesend sind, funktionieren die nötigen Abstimmungen. "Wer denkt, alles könnte online erledigt werden, der irrt", meint Müller. Derzeit liefen Abstimmungen mit dem Personalrat über die Absicherung von Homeoffice oder mobilem Arbeiten. Die Leistung der Verwaltung werde erheblich durch Homeoffice belastet, stellt Müller fest. Vieles sei komplizierter zu regeln, nicht alle Vorgänge ließen sich digital umsetzen. Auch der Datenschutz müsse sicher gestellt sein Einen Rechtsanspruch auf Home-Office in der Wirtschaft und in der Verwaltung, für den Arbeitsminister Hubert Heil wirbt, hält der Bürgermeister für falsch.

Ortsbürgermeister sieht Homeoffice kritisch

Ein  Ortsbürgermeister einer 1200-Seelen-Gemeinde in Rheinland-Pfalz sieht das noch drastischer. Er beschreibt in einem Leserbrief gegenüber KOMMUNAL, wie sehr er die öffentliche Verwaltung durch Homeoffice beeinträchtigt sieht. "Bei meinen sporadischen Besuchen in der Verbandsgemeinde treffe ich auf mehr verschlossene Türen als je zuvor", berichtet er. Bei Anrufen erhält man die Auskunft, dass man im Homeoffice ist und auf den Vorgang nicht zurück greifen kann, da er sich im Büro befindet." Er wünsche sich nach der Pandemie wieder wie etliche Ortsbürgermeister eine normale Arbeitszeit mit persönlichen Kontakten  face-to-face-Beratung. Elektronische und schriftliche Betreuung sei  kein Ersatz für die persönliche Unterstützung.

Fehlende technische Zugänge das Hauptproblem

Bisher ist in jeder zweiten Kommune Homeoffice generell nicht möglich, in 20 Prozent der Kommunen nur für wenige Mitarbeiter. Dies hatte eine Umfrage  allerdings nur unter 600 Bürgermeistern und Digitalisierungsverantwortlichen ergeben. Der Digitalverband Bitkom und der Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) hatten die Erhebung in Auftrag gegeben. Meist liege das an den technischen Zugängen. Zu den größten Hindernissen beim Homeoffice gehört demnach eine mangelhafte IT. 40 Prozent der Befragten  gaben an, dass die fehlende technische Ausstattung ausschlaggebend sei. Weitere 24 Prozent verwiesen darauf, dass nicht genügend finanzielle Mittel für notwendige Investitionen vorhanden seien.

Homeoffice und mobiles Arbeiten - der Unterschied

Was meist nicht unterschieden wird: Unter Homeoffice versteht man einen festen Telearbeitsplatz in den eigenen vier Wänden. Der Arbeitgeber stellt dafür die Büroausrüstung oder spezielle Arbeitsausrüstung wie einen Computer und sogar das Mobiliar. Der Arbeitgeber ist  verpflichtet, zu prüfen, ob das Homeoffice den arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben entspricht.  Mobiles Arbeiten bedeutet dagegen nur, dass über mobilen Endgeräten wie Smartphone und Laptop außerhalb der Dienststätte Aufgaben erfüllt werden. Im Gegensatz zum Telearbeitsplatz im Homeoffice, der den Arbeitsort vorgibt, bleibt es beim mobilen Arbeiten den Beschäftigten überlassen, ob sie dabei im Zug sitzen oder vielleicht auch im  Café. Die vorrübergend geltende Verordnung der Bundesregierung unterscheidet nicht zwischen den beiden Varianten. Darin ist nur von Homeoffice die Rede.

Fragen und Antworten zur Homeoffice-Regelung finden Sie auf der Homepage des Bundesarbeitsministeriums.