Kinos kommunal betreiben – das sichert eine wichtige Stätte der Begegnung und Kultur.
Kinos kommunal betreiben – das sichert eine wichtige Stätte der Begegnung und Kultur.
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Film

Ein Plädoyer für das kommunale Kino

Wie Städte und Gemeinden mit eigenem Engagement den Zauber der Filmvorstellung erhalten können und damit zugleich einen sozialen Ort schaffen, beschreibt Fabian Schauren im KOMMUNAL-Gastbeitrag.

Aktuell jähren sich zwei Ereignisse: 1895 – vor 125 Jahren – lernten die Bilder das Laufen und das Kino wurde erfunden und vor 50 Jahren entstanden die ersten Kommunalen Kinos der Nachkriegszeit. Gemeindekinos an sich waren nicht neu; das erste entstand bereits 1912 in Eickel. Die erneute Einrichtung kommunal betriebener Kinos um 1970 war eine Reaktion auf die sich wandelnde Gesellschaft der Sechziger Jahre: das erfolgreiche Aufkommen des Fernsehens, fehlender Programmanspruch der kommerziellen Kinos und insbesondere auch der Niedergang der nach dem zweiten Weltkrieg die nichtgewerbliche Filmarbeit dominierenden Filmclubs.

Einer der wichtigsten Vordenker war der Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, gegen dessen Gründung eines ihm direkt unterstellten kommunalen Kinos die örtlichen Kinobetreiber 1972 prozessierten und vor dem Verwaltungsgericht unterlagen. Im Urteil wurde festgestellt, dass „neben den traditionell anerkannten öffentlichen kulturellen Einrichtungen ist heute auch das Kino ein Träger von Kulturgut“ ist und ein Kommunales Kino als Teil der gemeindewirtschaftlichen kulturellen Daseinsvorsorge betrieben werden kann, insbesondere, da es „eine andere Leistung anbietet, als die kommerziellen Filmtheater es bisher getan haben und tun können.“  In Folge dieses Urteils wurden bundesweit, nach dem Vorbild der ersten Kommunalkinos in den Großstädten auch in Klein- und Mittelstädten kommunal getragene beziehungsweise geförderte Kinos gegründet.

60 Prozent der Klein- und Mittelstädte haben kommunales Kino

Der Idealtyp, wie er in den siebziger Jahren skizziert wurde, ist selbst in vielen Großstädten nicht adäquat umgesetzt und gar 40 Prozent von diesen haben kein Kommunales Kino. Als niedrigschwelliges Kulturangebot für alle Bevölkerungsschichten und Altersklassen, das im Vergleich zu anderen Kulturinstitutionen mit relativ geringen Mitteln betrieben werden kann und einen wichtigen Ort der Vermittlung der immer wichtigeren Medienkompetenz darstellt, ist das Kommunale Kino eine sinnvolle Erweiterung jedes Kulturangebots. Außerhalb der Großstädte werden Kommunale Kinos nun meist nicht mehr gegründet, um einen besonderen Kulturort zu schaffen, sondern es geht in erster Regel darum, den Kulturort Kino lokal zu erhalten oder wieder zu etablieren.

In einer Zeit, in der das Kino nicht mehr das Monopol auf den Film hat und die Wohnzimmer unterhaltungstechnisch hoch gerüstet sind, kommt es zudem darauf an, den Zauber der Filmvorstellung, das Kinofeeling zu bewahren und einen sozialen Ort zu schaffen.

Kommunale Kinos sind auch wichtige Orte der Diskussion gesellschaftlicher Fragen. Eine gute und vielfältige Programmauswahl ist hierfür Voraussetzung. Um ihre Kommunalen Kinos nach der aktuellen Krise zu erhalten, müssen die Kommunen sowohl in die Ausstattung wie auch in ihr Personal und Programm investieren. Ersteres wird mit dem Zukunftsprogramm Kino I der Bundesregierung in Kombination mit anderen Förderungen relativ gut unterstützt.

Städtisches Theater wird montags zum Kino

Drei Beispiele sollen Möglichkeiten für kleinere Gemeinden ausführen. Seit Anfang der Siebziger Jahre besteht erfolgreich im hessischen Weiterstadt das Kommunale Kino im Bürgerzentrum. Das Kino wird von der Stadt mit einem vollständig ausgerüsteten Kinosaal durch das Engagement vieler ehrenamtlicher Kinokräfte betrieben. Ich vergleiche dieses Modell gerne mit einer Freiwilligen Feuerwehr.

Zuerst auf private Initiative, inzwischen durch die Stadt Landsberg am Lech getragen, wandelt sich das städtische Theater, am Ruhetag jeden Montag und zu einem weiteren Termin pro Woche in einen Kinosaal mit ausgesuchtem Programm. Dieses Angebot nutzt Synergien für das Kommunale Kino, wichtig hierbei ist jedoch, darauf zu achten, dass sich vor Ort die Magie des Kinos entfalten kann und der Betrieb regelmäßig und nicht als reiner zufälliger Lückenfüller stattfindet.

Ein relativ neues Mitglied, ist das Kulturkino Kaimt in Zell an der Mosel. Nachdem die ehemalige Kreisstadt mehrere Jahrzehnte kein Kino mehr hatte, kam eine filmbegeisterte Gruppe 2015 auf die Idee im Gebäude einer ehemaligen Volksschule wieder einen Kinosaal einzurichten. Mit viel Herzblut wurde die Idee nach einer Beratung durch den Bundesverband umgesetzt und Anfang 2017 konnte in einem ehemaligen Klassenraum ein richtiges kleines Schmuckstück der kommunalen Kinoarbeit werden, welches sich stetig und erfolgreich weiterentwickelt und das auch kleineren Gemeinden zeigt, wie mit geringen Mitteln und viel Engagement ein Kino als kultureller Mittelpunkt geschaffen werden kann.

Was wenn es schon private Kinos gibt?

Wenn ein kommerzielles Kino existiert, mögen Gemeinden, die nun überlegen, ein eigenes Kino einzurichten, in der aktuellen schwierigen Zeit jedoch vorerst das „Untermietermodell“ bevorzugen. Dafür könnte für ein ausgesuchtes Programm der Saal angemietet oder die Vorstellungen durch Garantien abgesichert werden. Ein gutes Kino kann ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor im Wettbewerb um Fachkräfte sein.

Fabian Schauren ist seit 2012 Geschäftsführer des Bundesverbands kommunale Filmarbeit e.V., in dem 150 kommunale und gemeinnützige, kulturelle Kinos und Filminstitutionen organisiert sind.