Die Notfallpläne standen bei der  Feuer- und Rettungswache Stellingen- dort gab es vergangene Woche  einen größeren Corona-Ausbruch durch die Omikron-Welle
Die Notfallpläne standen bei der Feuer- und Rettungswache Stellingen- dort gab es vergangene Woche einen größeren Corona-Ausbruch durch die Omikron-Welle.
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Kollaps durch Personalausfälle?

Omikron: So sehen die Notfallpläne in Kommunen aus

Die gute Nachricht vorab: Hört man sich in Deutschlands Rathäusern in diesen Tagen um, haben sich praktisch alle schon auf die neue Omikron-Welle und ein mögliches Horror-Szenario vorbereitet. Die Befürchtung: "Unser Szenario geht vom Ausfall von mindestens 50 Prozent aller Mitarbeiter im Rathaus aus", wie etwa Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert seine Notfallpläne beschreibt. Aber auch für kleine Kommunen und Landkreise sind solche Notfallpläne wichtig. Was jetzt zu tun ist...

Die Omikron-Welle schlägt in Deutschland in diesen Tagen mit voller Wucht durch. Stand bis vor kurzem in den Notfallplänen die Versorgungssicherheit in den Krankenhäusern an oberster Stelle, rückt der Fokus jetzt verstärkt auf die Aufrechterhaltung der sonstigen öffentlichen Infrastruktur. Sprich: Rathaus, Feuerwehr, Stromversorger, Wasserversorgung. Denn in einem wirklichen Worst-Case Szenario ist es denkbar, dass zeitgleich ein Großteil der Mitarbeiter in diesen Bereichen ausfällt und in Quarantäne muss. Was beim Verwaltungsmitarbeiter möglicherweise - trotz Quarantäne - noch im Home-Office erledigt werden könnte, ist bei der Feuerwehr undenkbar. Und so haben Deutschlands Kommunen zwei wichtige Punkte in ihren Notfallplänen vor Augen. 1. Das Umplanen von Mitarbeitern und 2. aber vor allem die Prävention. 

Notfallpläne gegen Omikron setzen vor allem auf Prävention

Es gibt kaum ein Rathaus, mit dem wir in den vergangenen Tagen gesprochen haben, in dem nicht das Thema "Home-Office" an oberster Stelle steht. Mitarbeiter, die sich nicht persönlich im Rathaus begegnen, können sich auch nicht gegenseitig anstecken, ist die allgemeine Devise. So sind etwa im Rathaus in Trier von den 1500 Mitarbeitern aktuell mehr als 1000 im Home-Office, beziehungsweise arbeiten offiziell mobil. In Wittenberg in Sachsen-Anhalt gilt die Regel, dass in den dortigen "4 Personen-Büros" maximal zwei Mitarbeiter sitzen dürfen, wo möglich aber nur eine Person. 

Wo das nicht möglich ist, vor allem in größeren Städten, gibt es fast immer überarbeitete Schichtpläne. "Kohortenbildung" nennen das die Experten. Im Klartext: Es arbeiten immer die gleichen Mitarbeiter in gleichen Schichten zusammen. So wird etwa die für die Infrastruktur wichtige IT-Abteilung im Kreishaus in 3 Kohorten eingeteilt. Fällt eine Kohorte oder gar zwei Kohorten gleichzeitig aus, weil es einen Corona-Fall mit der Omikron Variante gibt und sich schnell verbreitet hat, so ist immer noch ein Team nicht betroffen und kann laut Notfallplan den Teil der Arbeit übernehmen, der besonders wichtig und unaufschiebbar ist. 

Bei Notfallplänen auch die Eigenbetriebe "mitdenken" 

Die Stadt Dresden etwa hat einen Plan aufgestellt, sollte der Eigenbetrieb IT möglicherweise komplett ausfallen. Dafür gibt es bereits eine Liste mit IT-Fachleuten aus den verschiedenen anderen Ämtern, die in einem solchen Notfall einspringen könnten. Damit die wichtigsten Arbeiten des Eigenbetriebs IT auch in einem solchen Fall aufrecht erhalten werden können. 

Aber auch kleinere Städte, etwa Ettlingen in Baden-Württemberg, setzt auf einen Dreiklang von Home-Office, der Trennung von Teams und vor allem auf regelmässiges Testen der Mitarbeiter. So werden im Sachsen-Anhaltinischen Dessau-Rosslau die Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr inzwischen täglich getestet. Das gilt auch für alle bereits vollständig geimpften und geboosterten Mitarbeiter. Zudem erfolgt auch hier eine "strikte Trennung zwischen den Wehren bei gleichzeitiger Begrenzung der Kameraden pro Fahrzeug und einer Reduzierung der Aus- und Fortbildung auf ein notwendiges Maß", wie es ein Sprecher in dieser Woche ausdrückte". 

Neben kommunalen Einrichtungen müssen auch Landesbehörden mit in die Notfallpläne aufgenommen werden 

Die Feuerwehr ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht ausreicht, nur im eigenen Rathaus die Notfallpläne vorliegen zu haben. Sie müssen mindestens mit den Landkreisen und dem jeweiligen Bundesland vernetzt werden. Denn neben der örtlichen Feuerwehr und dem örtlichen Ordnungsamt gehören mindestens die meist auf Landkreisebene angesiedelten Gesundheitsämter und die Abfallwirtschaft zur kritischen Infrastruktur. Im Fall des Falles treffen sich diese dann, auch hier muss die Kohorten-Bildung abgestimmt sein, damit sich dann nicht ausgerechnet die wichtigsten Mitarbeiter mit der Omikron-Variante des Corona-Virus anstecken. 

Die Polizei wiederum untersteht direkt dem Innenministerium, die Feuerwehren aber eben den Gemeinden. Aus dem bayerischen Landesinnenministerium heißt es daher in dieser Woche: "Die Kommunen wurden aufgefordert, weitergehende Vorbereitungen zur Verhinderung eines Coronaeintrags in die Feuerwehren zu treffen.» Feste Schichten und eine Reduzierung der Kontakte gehören ebenso wie bei der Polizei zu den Vorbeugungsmaßnahmen. Außerdem sollen die Feuerwehren derzeit auf Übungen und andere Tätigkeiten verzichten, die nicht zwingend zum Erhalt der Einsatzbereitschaft erforderlich sind."

Dass gerade die Polizei mit der Omikron-Welle erhebliche Probleme hat, zeigen aktuelle Zahlen aus Sachsen. Hier meldete das Innenministerium in dieser Woche, dass aktuell rund 250 Polizebeamte des Landes in Quarantäne sind. Auch andere kritische Bereiche melden aktuell "Krankenstände" von bis zu 20 Prozent der Belegschaft, allen voran Mitarbeiter, die in Quarantäne sind. 

Wie Kommunen sich gegenseitig helfen können 

Das bayerische Innenministerium ruft dazu auf,"speziell für die aktuelle Bedrohung durch die Omikron-Variante im Bedarfsfall durch die Stadtspitze einen Krisenstab Personal zur Koordination einzuberufen". So fragt das Nürnberger Rathaus derzeit beim städtischen Personal Ausbildungen, Erfahrungen und Fähigkeiten ab, "um im Notfall Personalengpässe auch dienststellenübergreifend zumindest aushilfsweise auffangen zu können", so ein Sprecher.

Im Falle einer starken Ausbreitung von Omikron setzen die Städte vor allem auf Mitarbeiter aus Bereichen, die aktuell ohnehin geschlossen sind oder im Notfall personell weiter reduziert werden können - interne Abteilungen aber auch Kultureinrichtungen sind hier in den Notfallplänen häufig aufgelistet. 

Zudem setzen viele Kommunen jetzt erst recht auf interkommunale Zusammenarbeit in ihren Notfallplänen. Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe, diese Wörter tauchen in vielen Notfallplänen besonders häufig auf. Gerade die Feuerwehren setzen darauf, im Fall des Falles sowohl Personal als auch Technik untereinander auszutauschen. Bei den "Kohortenbildungen" sind also auch die Nachbargemeinden möglichst mit zu vernetzen und in die Pläne einzubeziehen. Wenig hilfreich, wenn die Helfer der freiwilligen Feuerwehr zwar in der jeweiligen Wache "getrennt" werden, mit den freiwilligen Helfern der Nachbargemeinde aber bei der Fortbildungsmaßnahme aber doch wieder aufeinander treffen.

Zu guter Letzt hat es sich - das kennen wir von Notfallplänen etwa für einen Blackout beim Stromnetz - bewährt, wenn die Kommunen präventiv Notfallstellen für den Fall des Falles einrichten, an die sich auch Bürger wenden können. Üblicherweise ist eine solche Notfallstelle das Rathaus selbst und die Feuerwehrgebäude. Denn wenn nicht mehr die komplette Versorgung aufrecht erhalten werden kann, muss es zumindest einzelne Orte geben, über die das dann kommuniziert wird. Schon weil auch die Sorgen der Bürger dann größer werden und es zu deutlich vermehrten Fragen und Ängsten kommt. Es empfiehlt sich daher für jede Kommune, solche "Notfall-Anlaufstellen" immer wieder zu kommunizieren. Jeder Bürger einer Kommune sollte wissen, wo er sich im Notfall auf jeden Fall melden kann, auch wenn ein Großteil der Infrastruktur ausfällt. Flyer, Bekanntmachungen im Amtsblatt und viele weitere Kommunikationswege sollten also immer wieder die Botschaft oder eine Telefonnummer vermitteln, die "immer und auf jeden Fall besetzt ist".