Virtuelles Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen

Virtuelles Krankenhaus - für eine flächendeckende Versorgung?

Mo, 12.08.2019

Auf dem Land fehlen häufig Fachärzte. Für Patienten in Notsituationen kann das mitunter zu falschen Diagnosen oder Fehleinschätzungen führen. In NRW will man deshalb ein virtuelles Krankenhaus gründen - in dem Patienten über Telemedizin von Experten behandelt werden können.

Die ungleichen Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land äußern sich auch im Gesundheitssystem: So zeigt beispielsweise eine Studie, dass ein Drittel schwer kranker Patienten vom eigenen Arzt als austherapiert eingestuft worden ist - und das, obwohl sie mit einer geeigneten Therapie noch zu retten gewesen wären.

Doch: Wie kommen Patienten einfacher an eine fachärztliche Behandlung – insbesondere auf dem Land?

In Nordrhein-Westfalen will man das Problem mithilfe eines virtuellen Krankenhauses angehen. Wenn beispielsweise in einer Praxis eine spezielle Expertise fehlt, könnten Hausärzte ein virtuelles Krankenhaus über ein Verzeichnis per Mausklick kontaktieren.

Auf der digitalen Plattform sollen Spezialkliniken mit Krankenhäusern, Fach- und Hausarztpraxen verbunden werden. In dem sogenannten virtuellen Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen sollen Patientendaten in Zukunft elektronisch ausgetauscht und auch Sprechstunden via Video abgehalten werden, sodass Patienten Expertenwissen in Anspruch nehmen können. „Das ist eine Chance, Ungleichheiten in den Lebensverhältnissen auszugleichen und gleiche Qualität an allen Orten verfügbar zu machen“, glaubt Thomas Ittel, der Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums der RWTH Aachen.

Das virtuelle Krankenhaus soll ermöglichen, dass Patienten aus Regionen mit fehlenden Krankenhäusern und Fachärzten ebenfalls von Experten behandelt werden.Der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Münster erklärt, dass Patienten in ihrem Heimatkrankenhaus häufig weniger Fachärzte haben und dementsprechend nicht die gleich hohe Behandlungsqualität haben, wie Menschen, die in einer Universitätsklinik untersucht und behandelt werden. Telemedizin stelle aus seiner Sicht eine geeignete Behandlungsalternative dar.

Zwar sollen die Leistungen Teil der Regelversorgung und von den Krankenkassen finanziert werden. Dafür müssen jedoch noch rechtliche, organisatorische und technische Fragen geklärt werden.

 

Virtuelles Krankenhaus - Behandlung für alle?

 

Das virtuelle Krankenhaus soll in Zukunft keinen persönlichen Arztbesuch ersetzen – sondern vielmehr eine Ergänzung dazu sein.

Aber: „Wir können nicht jeden Patienten virtuell behandeln und eine Zweitmeinung bieten“, erklärt Karin Overlack, die Geschäftsführerin des Herz- und Diabeteszentrums NRW. Und Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ergänzt: "Das ist nicht die Sprechstunde für Omma Helga, die mal mit dem Professor reden will.“ Stattdessen könnten im virtuellen Krankenhaus insbesondere Patienten mit kritischen Erkrankungen mit hoher Sterblichkeit Beratungen erhalten.

Die Pilotphase des virtuellen Krankenhauses NRW soll im Frühjahr 2020 starten. Für die Aufbauphase stellt das Land bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr bereit.

Zwar gab es bereits in der Vergangenheit immer mal wieder einzelne Projekte – doch die wurden nach einer bestimmten Laufzeit häufig wieder beendet. Laut dem Gesundheitsminister ist es bisher nicht gelungen, ein landesweites, engmaschiges und digital unterstütztes Versorgungsnetzwerk aufzubauen.

Klar ist jedoch auch, dass das Projekt auf zuverlässiges und schnelles Internet angewiesen ist - und das vor allem im ländlichen Raum. Doch daran mangelt es in einigen Teilen des Bundeslandes noch.

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