Die Müllgebühren schwanken stark - erstmals wurden nun auch kleinere Städte in ein Gebühren-Ranking einbezogen
Die Müllgebühren schwanken stark - erstmals wurden nun auch kleinere Städte in ein Gebühren-Ranking einbezogen
© 123rf

Entsorgung

So entwickeln sich die Müllgebühren in kleineren Städten

Die Nebenkosten - die sogenannte zweite Miete - für Haus und Wohnung steigen in ganz Deutschland. Da sind vor allem die Energiepreise aber auch kommunale Gebühren, wie etwa Wasser, Grundsteuer oder Abfall. Vor allem beim Abfall zeigen sich in den Kommunen massive Unterschiede. Bisher wurde immer nur ein Ranking der 100 Großstädte in Deutschland berechnet. Erstmals hat das Institut für Wirtschaft nun auch 25 kleinere Städte miteinander verglichen. Mit spannenden Ergebnissen. Wir haben das Ranking und die gesamte Liste mit den Daten für Sie zum Herunterladen als pdf.

Die Müllgebühren in Brandenburg an der Havel liegen im Schnitt bei 153 Euro im Jahr. Das ergibt sich zumindest für einen sogenannten Musterhaushalt. Das sind zwei Erwachsene und zwei Kinder, die vier Sorten Müll produzieren - nämlich Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier. Schwer zu berechnen ist es trotzdem, denn der Abtransport unterscheidet sich in den Kommunen bei Rhytmus und Servicegrad stark. Der Preis sagt also beiweitem nicht alles aus, aber zur Methode am Ende des Artikels daher noch weitere Informationen. 

Zunächst bleiben wir bei den reinen Kosten: Im Ranking der 100 Großstädte lag Nürnberg mit einer Summe von rund 140 Euro vorne. Das schlägt also auch keine der (zufällig ausgesuchten) 25 Kleinstädte. Womit sich die These belegen lässt, dass die Größe einer Kommune nichts über die Kosten den Müllgebühren aussagt. Auch Mainz ist mit 144 Euro unwesentlich günstiger als Brandenburg an der Havel. Bei den Kleinstädten folgen dann übrigens Stralsund und Norderstedt im Ranking. 

Warum die Müllgebühren so unterschiedlich sind 

Das IW Köln hat die Untersuchung gemeinsam mit Eigentümerverband Haus und Grund durchgeführt. Den Grund beschreibt der Präsident des Verbandes, Kai Warnecke so: "Nebenkosten wie Müll und Abwasser fallen schnell hinten runter, auch weil Verbraucherinnen und Verbraucher oft keine Möglichkeiten haben, sich über die Gebührenhöhe zu informieren und die eigenen Kosten mit denen anderer Städte zu vergleichen." Genau das wollte man ändern. Und auch KOMMUNAL hatte in der Vergangenheit häufiger kritisiert, dass eben nur die Großstädte im Fokus der Untersuchungen standen. Nun also liegen die Ergebnisse auch für 25 mittelgroße Städte vor. 

Die teuersten Kleinstädte sind demnach Nordhausen, Celle und Neunkirchen. Dabei sind die kleineren Städte nicht günstiger, aber auch nicht teurer als die Großstädte. Nürnberg, Gewinner unter den 100 größten deutschen Städten, ist über alle Städte die günstigste Stadt. Die Bürgerinnen und Bürger in Leverkusen, dem Schlusslicht der 100 größten deutschen Städte, zahlten etwas weniger als Nordhausen, aber mehr als jene in Trier.

Die Einschätzung von Warneke daher ist folgende: "Es können keine grundsätzlichen Muster wie die Größe einer Stadt, die Einwohnerdichte oder die Haushaltslage als Gründe für hohe oder niedrige Nebenkosten identifiziert werden. Es liegt in der Regel an individuellen Gegebenheiten wie beispielsweise, dass Städte an falsch dimensionierte Müllverbrennungsanlagen gebunden sind, weniger effiziente Services anbieten oder eine ambitioniertere Preispolitik verfolgen."

Das heißt aber auch: Zumindest für die Kosten der Müllgebühren können die Kommunen nicht Bund oder Länder verantwortlich machen. Jeder möge also vor seiner Haustüre kehren. Gute Beispiele können also hier als Vorbild dienen. Und diese guten Beispiele heißen eben Nürnberg und Brandenburg an der Havel. Auch Stralsund oder Bocholt können als gute Beispielee dienen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Probleme es in Leverkusen oder auch in Neunkirchen im Saarland oder in Celle in Niedersachsen vor Ort bei den Müllgebühren gibt. 

Denn es sind eben nicht nur die Kosten, die eine Rolle spielen, auch der Servicegrad spielt für die Verbraucher eine wichtige Rolle. Daher hat das IW Köln in Form eines Indexwertes die Kommunen verglichen.

Was eine gute Müllentsorgung ausmacht 

Der Abtransport unterscheidet sich zwischen den Städ- ten im Abfuhrrhythmus und im Servicegrad. Eine Leerung der Tonnen ohne Mitwirkung des Haushalts wird als Vollservice bezeichnet; werden Tonnen hingegen durch den Haushalt z.B. am Bürgersteig bereitgestellt oder müssen vom Bürgersteig wieder abgeholt werden, so ist dies ein Teilservice. In Kombination mit einem wö- chentlichen und einem vierzehntägigen Abholrhythmus werden somit vier verschiedene Systemvarianten untersucht. Um einen Vergleich in einem Gesamtranking zu ermöglichen, werden für die nicht angebotenen Systemvarianten hypothetische Gebühren approximiert und die Ergebnisse in einem Müllgebührenindex zusammengefasst.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Frage nach der Transparenz der Gebühren: In Saarbrücken werden die Gebühren beispielsweise aufgefächert in Grundgebühr, Leistungsgebühr, Basisgebühr sowie eine Gewichtsgebühr mit Mindestgewichtsgebühr. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind hier eher ein Fremdwort. Hinzu kommen oft komplizierte Regelungen zum Biomüll oder zum Sperrmüll, dazu gibt es unterschiedliche Bringsysteme oder Holsysteme. 

Lobend erwähnt die Studie derweil etwas die Abfallordnung in Ingolstadt - als transparent und gut verständlich. 

Denn unterm Strich gilt: Bürger wollen gerne Gebühren sparen, wenn das mit dem Sparen von Müllmengen einhergeht, ist vieles gewonnen. Wenn sie nicht verstehen, wie sie Geld einsparen können, werden sie auch bei der Müllmenge weniger einsparen, bzw. weniger motiviert sein. Ein Klassiker ist die Verteilung von Grundgebühr und Abholgebühr. Etliche Kommunen und Landkreise überlassen es den Haushalten, wie oft sie den Restmüll an die Straße stellen. Jede Abholung kostet dann Geld. Entsprechend braucht es aber eine Grundgebühr, um die Kosten der theoretischen Erbringung (Anfahren, auch wenn keine Tonne an der Straße steht) zu bezahlen. Einige Kommunen berechnen die Grundgebühr pro im Haushalt lebende Person, andere pro Haushalt. In ersterem Fall macht die Grundgebühr bei einer kinderreichen Familie schon einen Großteil der Müllgebühren aus, weil für jede im Haushalt lebende Person gezahlt wird. Müll sparen lohnt sich dann also weniger. 

Auf der anderen Seite darf die einzelne Tonne nicht zu teuer sein, sonst kommen einige Haushalte auf die Idee, ihren Müll lieber "illegal im Wald zu entsorgen". Auf die richtige Mischung kommt es also an.

Das gesamte Ranking der untersuchten 25 kleineren Städte zum Herunterladen finden Sie als pdf hier: 

Neben Müllgebühren gibt es weitere Nebenkosten mit großen regionalen Unterschieden

Die Müllgebühren sind nicht die einzigen Gebühren, die Kommunen selbst steuern. Da sind auch noch die Kosten für Trinkwasser, Abwasser und Niederschlagswasser sowie Grundsteuer und Rundfunkbeitrag. Wobei letzterer in ganz Deutschland mit gut 220,- Euro gleich hoch ist. Auch hierzu gibt es ein spannendes Gesamtranking, in dem die Müllgebühren bereits mit eingerechnet sind. Bei diesem Ranking (wieder nur von Großstädten) hatte Mainz die Nase vorn. Die Gesamtnebenkosten in einem Musterhaushalt liegen hier bei rund 1500 Euro im Jahr. Die teuerste Stadt kommt hier auf 2300 Euro jährliche Kosten. Das gesamte Ranking finden Sie in unserem Beitrag anbei: