Lastenräder werden seit Jahren gefördert - die Grünen wollen nun ein zusätzliches Förderprogramm
Lastenräder werden seit Jahren gefördert - die Grünen wollen nun ein zusätzliches Förderprogramm
© Stephan Marahens ADFC Dessau

Verkehrswende

Lastenräder auf dem Dorf - hier klappt es!

Die Grünen wollen eine Milliarde Euro zur Förderung von Lastenfahrrädern ausgeben. Ein Lastenrad soll mit jeweils 1000 Euro bezuschusst werden. Das soll auch für privat genutzte Räder gelten. Fakt ist: Nicht immer ist das Auto die beste Idee. Darum werden Lastenfahrräder verstärkt gefördert. In einigen Kommunen sind sie längst der Renner.

Für Lastenräder gibt es in Deutschland zahlreiche Förderprogramme. Kommunen nutzen diese Programme seit Jahren. Der neue Vorstoß der Grünen im Wahlkampf kommt bei Kommunalpolitikern aller anderen Parteien aber trotzdem nicht gut an. Einen Grund nennt etwa heute Oliver Luksic, der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion im Interview mit der Tageszeitung Welt: "„Es gibt bereits circa 100 Fördertöpfe von Bund, Ländern und vor allem Kommunen mit Subventionen für den Kauf eines Lastenfahrrads, die Grünen wollen diesen Förderdschungel nun aber noch ausweiten, statt endlich gezielter zu fördern.“

Die Grünen hatten Lastenräder schon in ihrem Wahlprogramm erwähnt. Die Diskussion entfacht sich aber erst seit dem Wochenende. Da hatte die Grünen erstmals eine konkrete Zahl genannt - eine Milliarde Euro zusätzlich oder 1000 Euro pro Lastenrad, hatte der Bundestagsabgeordnete Kindler versprochen. Ein Vorschlag, den auch CDU und Linke ablehnen. „Lastenfahrräder können in einigen Städten eine Hilfe sein, in den ländlichen Regionen helfen sie praktisch niemandem“, begründet etwa Linken-Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed bei Welt ihre Ablehnung. Diese Begründung jedoch ist aus kommunaler Sicht nicht haltbar. Denn es gibt auch eine Reihe von Beispielen aus kleinen Orten, wo sich Lastenfahrräder etabliert haben. Auch hier haben Fördergelder meist geholfen. Wir zeigen Ihnen einige Beispiele. 

3000 Euro Förderung pro Rad gab es in Buchholz 

Buchholz ist zwar kein Dorf - mit 38.000 Einwohnern aber auch keine Großstadt. Und dort stehen sie überall - vor der Bäckerei, dem Buchladen oder dem Supermarkt: Fahrräder, mit denen sich die Einkäufe transportieren lassen. Die niedersächsische Stadt in der Nordheide bietet den Bewohnern und den Besuchern erfolgreich an, sich Lastenräder auszuleihen und hat dazu ein stadtweites Netz geschaffen. Die Bürger können die Fahrräder bei den Händlern abholen und benutzen, zuvor jedoch muss die Ausleihe über eine App angemeldet werden, sie gibt auch preis, wo es gerade ausleihbare Fahrräder gibt. Die Händler übergeben die Räder Bürgern dann persönlich.

Lastenräder auf dem Dorf

Die Buchholzer machen sich dabei verschiedene Förderungen zu nutze. So können Vereine, Firmen und Gemeinden selbst Zuschüsse vom Bund und dem jeweiligen Land bekommen. Bis zu 2.500 Euro für ein Fahrrad mit oder ohne Elektroantrieb und noch einmal 500 Euro für den Erwerb eines Lastenanhängers sind möglich. Denn die Kaufpreise sind nicht unerheblich, sechs- oder siebentausend Euro sind nicht ungewöhnlich. Rund um Buchholz gibt es die nach einer regionalen Schafart benannten „Heidschnucken“ zum Leihen, die Lastenräder wurden in verschiedenen Größen angeschafft.

"Buchholz fährt Rad"

Es kümmert sich der Verein „Buchholz fährt Rad“. Das Ausleihnetz ist dicht, aber alles ist immer in Bewegung, denn die Räder sind jedes Quartal bei einem anderen Händler der Stadt zu finden. Um das zu kennzeichnen, werden Hinweisschilder am jeweiligen Laden aufgestellt. „Das Rotationsverfahren machen wir natürlich, weil das auch Arbeit für die Händler ist. Die müssen die Räder dann ausgeben, vorbereiten und sich eben ein bisschen drum kümmern“, erklärt Peter Eckhoff , 1. Vorsitzender des Vereins „Buchholz fährt Rad“. Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Gemeinschaft. So werden die Fahrräder bewusst von Menschen bereit gestellt und nicht einfach bloß per App entsperrt.

Die wechselnden Ausgabe stellen sorgen nicht bloß für Entlastung, man bleibt so ja auch im Gespräch.“

Peter Eckhoff, Vorsitzender des Vereins "Buchholz fährt Rad"

Kostenfreie Ausleihe

Die Lastenräder im beschaulich schönen Buchholz sind ein wahrer Renner geworden, denn es gibt immer mehr Orte im Umkreis, die sich dem lokalen Verein anschließen. Um die belastbaren Fahrräder jedem zugute kommen zu lassen, werden sie kostenfrei verliehen. Der Verein bezahlt nötige Reparaturen und Neuanschaffungen über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Organisiert sind die Heidschnucken wiederum im „Forum Freie Lastenräder“.  Diese Organisation baut unter anderem die zugehörige App, in der nicht nur der Termin gebucht werden kann, sondern auch sichtbar ist, wo es freie Räder gibt. Persönlicher Kontakt ist in der Heidestadt wichtig. Etwas anders macht man es im kreisfreien Dessau-Roßlau. In der sachsen-anhaltischen Mittelstadt organisiert ein Verein die Flotte. Auch hier ist die Nutzung kostenfrei und soll allen in der Elbstadt verfügbar sein. Die Ausleihe funktioniert klassisch per Telefon oder Mail, aber auch über ein Onlineformular. Für den Lieferverkehr sind die robusten Räder ebenfalls ratsam. Alle großen Paketlogistiker haben erfolgreiche Testphasen mit elektrisch unterstützten Fahrrädern unternommen.

Lieferparkplätze in Städten schaffen

Doch eine unerfüllte Forderung vieler Städte hindert noch ein wenig am effizienten Betrieb, weiß der Bundestagsabgeordnete und Verkehrsexperte Oliver Luksic: „Es ist uns nicht gelungen, die Novellierung der Straßenverkehrsverordnung so zu ändern, dass spezielle Lieferparkplätze in den Städten ermöglicht würden. Es würden auch große Lieferfahrräder profitieren.“

Post nutzt bereits seit 1896 Lastenräder

Doch sind auf Fahrrädern transportierte Lasten eigentlich nichts Brandneues. Bereits seit dem Jahr 1896 nutzt die Post Fahrräder, um auf weiten Strecken die schweren Briefe auszuliefern. Lange wurde fast die ganze Logistik der Post mit Fahrrädern organisiert. Allerdings ist inzwischen weniger Muskelkraft dafür notwendig. Post-Sprecher Alexander Edenhofer sagt: „Die gelben Zweiräder haben bereits seit dem Jahr 2000 einen elektrischen Hilfsmotor.“

Auf dem Fahrradportal zum nationalen Radverkehrsplan finden Sie eine Förderfibel.