Wald
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Aus der Praxis

So ist Klimaschutz erfolgreich

Die Klimaschutz-Managerin Inna Sawazki schildert im KOMMUNAL- Gastbeitrag, was ihren Job ausmacht und wie die Stadt Minden mit ihrer Hilfe vorbildliche Projekte verwirklicht.

Klimaschutzmanagerin zu werden war für mich eher eine Gelegenheit als eine bewusste Entscheidung. Ich hatte mir fest vorgenommen, einen Beruf auszuwählen, bei dem ich die Welt im besten Fall besser, zumindest aber nicht schlechter machen würde. Wie wahrscheinlich für viele frisch gebackene Absolventen und Absolventinnen war der Einstieg ins Berufsleben dann aber eher ernüchternd. Heute kaum noch vorstellbar, war ein Beruf im Bereich Nachhaltigkeit vor wenigen Jahren noch ziemlich neumodisch und ein bisschen öko.

Klimaschutz-Managerin als Projektmanagerin

Die Jobauswahl im Bereich Nachhaltigkeit war im ländlich geprägten Kreis Minden-Lübbecke entsprechend gering. Auf die ausgeschriebene Stelle des Klimaschutzmanagements – vorher übrigens selbst nie davon gehört –habe ich mir eigentlich keine Chancen ausgerechnet. Auf den ersten Blick müssten dafür ja nur Klimatologen oder Meteorologen qualifiziert sein können. Bei dem Job geht es aber vor allem um Koordination und Projektmanagement. Es geht darum, das Klimaschutzkonzept mit allen entsprechenden Maßnahmen umzusetzen. Diese sind außerordentlich vielseitig und decken zahlreiche Handlungsfelder ab. Wer den Job als Klimaschutzmanager antritt, merkt daher schnell, dass niemand das gesamte Repertoire an Fachwissen für den Job aufbringen kann. Von erneuerbare Energien, energetische Sanierungen, über Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung bis hin zu den „normalen Verwaltungsaufgaben“ gehört alles dazu.

Netzwerke für Klimachutzmanager enorm wichtig

Einer der wichtigsten Pfeiler für den Beruf ist Kooperations- und Netzwerkarbeit, intern und extern. Fast keine der Maßnahmen lässt sich alleine umsetzen. Hinzu kommt, dass Einzelmaßnahmen sowohl von der Politik als auch von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert sein müssen, sonst bringt auch die Umsetzung nichts. Daher bin ich innerhalb der Stadtverwaltung Minden mit verschiedenen Fachbereichen, aber auch extern mit politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren vernetzt und in regelmäßigem Kontakt. Es ist mir wichtig, dass eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft stattfindet. So können wir uns austauschen und unsere Vorhaben miteinander abstimmen.

Carsharing-Angebot in Minden

Ein positives Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit ist die Einführung des CarsharingAngebots „MindenGO“. In einer gemeinsamen Initiative der Wirtschaftsförderung, der Verkehrsplanung und des Klimaschutzmanagements wurde die Idee in die Realität umgesetzt. Dafür gab es viele Gespräche mit verschiedenen Akteuren. Aber auch die Lokalpolitik musste überzeugt werden. Am Ende stand ein politischer Beschluss vom Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr, der sich für das Projekt ausgesprochen hat. Minden ist keine typische Carsharing-Stadt und schon einmal ist ein solches Angebot leider gescheitert. Das wollten wir natürlich verhindern und das Projekt sowohl für den Anbieter als auch für die Bürgerinnen und Bürger möglichst attraktiv gestalten.

Nachdem in einem Interessenbekundungsverfahren eine lokale Autovermietung für das Vorhaben den Zuschlag erhalten hat, konnten die Bürger selbst in einem Wettbewerb über den Namen des Carsharing-Angebots entscheiden. Ziel des Wettbewerbs war es, die Menschen vor Ort einzubeziehen und ihnen Carsharing näher zu bringen und damit Aufmerksamkeit zu schaffen. Seit 2020 haben wir in Minden insgesamt sechs Stationen, über das Innenstadtgebiet verteilt, an denen die Mindener  sich ein Auto ausleihen können. Mit der MindenGO-App geht das einfach und unkompliziert über das eigene Smartphone.

Als zentrale Ansprechperson in der Stadtverwaltung für das Thema Klimaschutz laufen viele Ideen, Anfragen und Projekte bei mir auf. Das ist definitiv ein Thema, das nicht nebenbei abgearbeitet werden kann. Es ist wichtig, dass es jemanden in der Verwaltung gibt, der sich damit auseinandersetzt, sonst geht es unter in all den anderen Verwaltungsaufgaben.

Minden ist Europäische Energie- und Klimaschutzkommune

Die Bemühungen der Stadt in den vergangenen Jahren zu mehr Klimafreundlichkeit tragen Früchte. Seit 2019 ist Minden „Europäische Energie- und Klimaschutzkommune“. Auch in Ostwestfalen rücken Klimaschutz und auch Klimafolgenanpassung mehr und mehr in den Vordergrund. So gibt es beispielsweise seit diesem Jahr den neu gegründeten Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Verkehr. Aus ihm heraus gab es bisher einige gute Anregungen und es wurden zahlreiche neue Projekte angestoßen.

Erfreulich, aber gleichzeitig auch herausfordernd ist dabei, dass der Bedarf und die Forderungen nach mehr Klimaschutz aus Politik und Zivilgesellschaft immer lauter werden. Unsere Ausgangsbedingungen, was die eigenen Ressourcen betrifft, aber gleichbleiben. Daher arbeiten wir aktuell an einer Strategie, wie wir den wachsenden Anforderungen in Zukunft gerecht werden können. So ist das Thema bereits Teil der neuen strategischen Ausrichtung der Stadt Minden. Das integrierte Klimaschutzkonzept wird unter breiter Beteiligung fortgeschrieben und Fördermöglichkeiten werden für investive und auch personelle Investitionen beantragt.

In den kommenden Jahren werden mit Sicherheit nicht alle klimarelevanten Maßnahmen ad hoc zu verwirklichen sein, aber ich finde, dass man im Lokalen genauso seinen Beitrag leisten muss, wie im globalen Zusammenhang. Unser Klima ist nur so gut, wie wir uns aktiv dafür einsetzen und das werde ich als Klimaschutzmanagerin weiterhin tun.