Cecile Weidhofer im Interview über Kommunalpolitikerinnen
Verena Brüning

Kommunalpolitikerinnen im Fokus - Effizienter, attraktiver und kreativer

Do, 12.09.2019

Cécile Weidhofer leitet das vom Bundesfamilien- und Frauenministerium geförderte Helene Weber Kolleg. Im KOMMUNAL-Interview gibt sie Tipps für Kommunen, wie Frauen gezielt gefördert werden können.

KOMMUNAL: Weshalb wird die deutsche Politik weiterhin von Männern dominiert?

Cécile Weidhofer: Ein wesentlicher Grund ist die schwierige Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Engagement. Das gilt auch für Männer, aber Frauen werden aufgrund fest verankerter Rollenbilder und traditioneller Aufgabenverteilung weitaus stärker ausgebremst. Außerdem werden Politikerinnen stärker nach ihrem Aussehen und Auftreten beurteilt. Am hartnäckigsten ist aber die Partei- und Sitzungskultur, deren Rituale Frauen eher abschrecken. Mehr denn je stehen Parteien in der Verantwortung, gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen zu schaffen, um nicht nur mehr Frauen für die Politik zu gewinnen, sondern sie vor allem auf aussichtsreichen Listenplätzen aufzustellen.

Welche strukturellen Veränderungen wären wünschenswert, um eine paritätische Teilhabe möglich zu machen?

Ohne eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Engagement werden wir nicht vorankommen. Dafür brauchen wir nicht nur eine Ausweitung bedarfsgerechter Infrastruktur für die Kinderbetreuung, sondern zum Beispiel auch die Übernahme der Kosten für die Care-Arbeit während Sitzungszeiten. Ebenso sollten Frauennetzwerke ausgebaut werden. Ein gutes Beispiel für Vernetzung ist das Helene Weber Kolleg, das erste parteiübergreifende Netzwerk für Frauen in der Kommunalpolitik. Auch in den Parteien muss ein Kulturwandel stattfinden. Die bisherigen Strategien zur weiblichen Nachwuchsgewinnung und zur Förderung der politischen Karrieren von Frauen sind nicht ausreichend. Dies belegen Zahlen: Auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stagniert bzw. sinkt der Frauenanteil. Um diesem Trend entgegen zu wirken, haben Brandenburg und Thüringen als erste Bundesländer Paritätsgesetze verabschiedet.

Als Leiterin des Helene Weber Kollegs kennen Sie viele politisch engagierte Frauen. Verän­­dern Frauen die Politik oder ändert die Politik die Frauen?

Tatsächlich kann man beobachten, dass Frauen im politischen Leben Gefahr laufen, die von Männern etablierten Spielregeln und Rituale zu verinnerlichen und dabei ihre eigene Authentizität zu verlieren. Trotzdem glaube ich, dass eher Frauen Politik verändern als umgekehrt. Das kann man gut in Sitzungen beobachten: Eine einzige Frau am Tisch bewirkt vielleicht zunächst wenig, aber schon zwei Frauen können das Klima positiv verändern. Und ich erlebe, dass sich gerade auf kommunaler Ebene mit der Teilhabe von Frauen auch das Themenspektrum verändert und Männer engagiert über Kita-Gebühren verhandeln, die in einer Männerrunde überhaupt kein Thema waren.

Was würden Sie politisch interessierten Frauen gerne mit auf den Weg geben?

Hinterfragt und reflektiert Eure Haltung, Eure Themen, Euer Engagement weiter. Aber zweifelt weniger an Euren Fähigkeiten und an Euren Möglichkeiten. Ihr könnt als Frauen viel dazu beitragen, dass Politik effizienter, attraktiver und kreativer wird.

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