Aufräumen nach der Flut - nun der Hilferuf
Das Aufräumen nach der Flut wird noch lange dauern - die Kommunen rufen um Hilfe.
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Flut-Katastrophe

Bürgermeister-Hilferuf aus Hochwassergebieten

Die Bürgermeister aus den Hochwassergebieten im Ahrtal senden knapp drei Wochen nach der verheerenden Flut einen verzweifelten Hilferuf an die Kanzlerin. Sie fordern kurzfristig eine Perspektive für die Versorgung mit Strom und Wasser, Hilfe bei der Schaffung von Unterrichts- und Betreuungsräumen der Kinder nach den Ferien. Eine der weiteren Forderungen: Ein Sonderbeauftragter mit besonderen Kompetenzen für den Wiederaufbau. Hier finden Sie den Offenen Brief als pdf.

Drei Wochen sind seit der Flutkatastrophe im Ahrtal vergangen, die mindestens 139 Menschenleben forderte. Die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, und die Ortsbürgermeister bedanken sich für die überwältigende Spendenbereitschaft und die  Hilfe vor Ort. "Aber wenn wir das Ausmaß der Zerstörung sehen ist klar, dass all die bisherigen Hilfen und deren Organisation nicht ansatzweise ausreichen werden", schreiben sie in ihrem jetzt veröffentlichtem offenen Hilferuf an die Kanzlerin und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Hilferuf der Bürgermeister

„Wir, die Unterzeichnenden dieses Briefes, bitten als Betroffene, als Verwandte und Freunde um Ihre schnelle und entschiedene Hilfe für unser geliebtes Ahrtal.“ Das Ausmaß der Verwüstung im Ahrtal sei noch immer unbegreiflich und wegen der oft im engen Tal konzentrierten Wohngebiete und Infrastruktur ausserordentlich schwierig zu bewältigen. 

Straßen im Hochwassergebiet zerstört

Derzeit würden zur Versorgung der Bevölkerung über den Landweg Behelfstraßen angelegt. Der Großteil des Straßennetzes ist zerstört. "Die Gefahr von Seuchen und Krankheiten steigt mit jedem Tag, da eine intakte Frischwasserversorgung in großen Teilen nicht mehr existent ist. Dementsprechend steigt auch die Angst in der ohnehin schon traumatisierten Bevölkerung."

Weigand Cornelia

Die schrecklichen Bilder werden uns bis ans Lebensende begleiten.

Cornelia Weigand, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr
 
Viele Menschen haben alles verloren und stehen vor dem Nichts, so die Bürgermeister. Die Flutkatastrophe hat mit Toten, vielen Verletzen und unvorstellbaren Zerstörungen unermessliches Leid über das Ahrtal gebracht.
 

KOMMUNAL fasst die wichtigsten Forderungen zusammen:

1. Die Bundesregierung soll einen Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau des Ahrtals mit umfassenden Kompetenzen ernennen. Ihm soll ein Stab von Fachleuten zugeordnet werden. Die Koordination der öffentlichen und privaten Verantwortungsträger muss einheitlich erfolgen.

2. Es muss rasch eine Zusage geben, wann mit Strom und Wasser zu rechnen ist, wann die Abwasserentsorgung geregelt ist.  Derzeit könnten Toiletten immer noch nicht benutzt werden. Wird man im Herbst heizen können?

3. Die Infrastruktur muss schnell wieder aufgebaut werden. Ohne Straße und Schiene können die Menschen nicht zur Arbeit und es ist zu befürchten, dass viele wegziehen.

4. Viele Schulen und Kitas werden nach den Sommerferien in zerstörten Gebäuden nicht aufmachen können. Eine klare Vorstellung einer guten Notversorgung muss aufgezeigt werden.

5. Sicherheit bei künftigem Hochwasser muss geschaffen werden. Es habe keine zeitige Warnung gegeben, mit tödlichen Folgen. Notwendig ist ein verlässliches differenziertes Frühwarnsystem und ein geübter Katastrophenschutz.

6. Es müssen hochwassertaugliche Bauweisen entwickelt werden. Für Bewohner, deren Häuser in Überflutungsgebieten liegen, sollen neue und  höher gelegene Baugebiete ausgewiesen werden. Dazu müssen Sonderbaugebiete geschaffen werden.

7. Gefordert wird eine Elementarversicherung für alle in den gefährdeten Gebieten.

8.  Die Betriebe im Ahrtal - die traditionsreichen Weingüter, Hotels und Gaststätten - brauchen eine unkomplizierte finanzielle Aufbauhilfe.

9. Eine sinnvolle Kombination aus Transferleistungen und Förderkrediten sowie Steuererleichterungen auch für Private.

10. Ein Programm zur Traumabewältigung muss geschaffen werden. "Die schrecklichen Bilder werden uns bis zum Lebensende begleiten", schreiben die 12 Verfasser des Hilferufs.

Hier finden Sie den Offenen Brief als PDF: