Über grüne Dächer freuen sich Mensch, Tier - und das Klima
Oldenburg setzt auf Dachbegrünungen.
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Klimaschutz

Kampf gegen Hitzewellen: Wie Oldenburg grüne Dächer fördert

Es ist immer häufiger die Rede von Schwammstädten - gerade gegen Hitzewellen können sie helfen. Denn Städte mit viel Asphalt heizen sich laut Forschern um bis zu vier Grad stärker auf, als Städte mit viel Grün. Die Faustformel: 40 Prozent Grünflächen in einer Stadt sollten es sein - dann sinkt die Temperatur um etwa 1,5 Grad. Oldenburg ist auf dem besten Weg zu einer solchen Schwammstadt. Wir stellen Ihnen das Konzept vor.

Bereits seit Ende 2019 fördert Oldenburg die Dachbegrünung. Aktuell sind etwa 1.400 Quadratmeter begrünt. Anfang Juli 2021 ging die Stadt sogar noch einen Schritt weiter. Seitdem kann auch die Bepflanzung von Fassaden bezuschusst werden. 50 Prozent der Kosten - oder 50 Euro pro Quadratmeter - bis zu einer Maximalsumme von 20.000 Euro  können Hausbesitzer und Gewerbetreibende bewilligt bekommen. Außerdem übernimmt die Stadt einen Kostenzuschuss bis zu 600 Euro für die Überprüfung der Statik. Zurückgezahlt werden muss der Zuschuss nur, wenn doch nicht begrünt wird. Björn Helmich vom Fachdienst Stadtgrün – Planung und Neubau hat im vergangenen Jahr immerhin 50 Anträge auf eine Dachbegrünungszuschuss bearbeitet. Im laufenden Jahr sind es 17 neue Anträge. Ausbaufähig? Die Vorteile, die begrünte Dächer bieten, sprechen sich anscheinend nur langsam herum.

Dachbegrünung: Vorteile für Mensch, Tier und Klima

„Durch begrünte Dächer und Fassaden können wir in unserer Stadt auf vielfältige Weise für mehr Lebensqualität sorgen. Dabei sind begrünte Dächer und Fassaden nicht nur schön anzusehen, sie reinigen auch die Luft, kühlen Gebäude und können Regenwasser zurückhalten“, weiß Björn Helmich . „Außerdem bieten sie zahlreichen Tieren und Pflanzen Platz zum Leben und tragen zur Verbesserung der städtischen Naturvielfalt bei.“ Weitere Vorteile: Grüne Dächer produzieren Sauerstoff, dämmen das Haus zusätzlich, speichern bis zu 70 Prozent der Niederschläge und geben sie im Starkregenfall zeitverzögert wieder ab. Außerdem absorbieren begrünte Dächer Strahlungen. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. schätzt, dass der Natur bis zu zwei Dritteln der versiegelten Flächen zurückgegeben werden könnten, wenn alle Dächer in Deutschland nachträglich bepflanzt würden. 

Gründächer: in Deutschland noch die Ausnahme

Vorabprüfungen sind notwendig

Aber nicht jedes Dach ist gleich gut für eine Begrünung geeignet. Überprüft werden müssen neben der Statik die Möglichkeiten für die Entwässerung, der Windsog, Brandschutz sowie An- und Abschlüsse. Besonders bei flachen Dächern muss vorab die Belastbarkeit geprüft werden. Je nach Pflanzung kann ein Gewicht von 25 bis 165 Kilogramm auf jedem Quadratmeter lasten. Im Idealfall sollte die Dachneigungen unter 15 Grad liegen. Gegen vorhandende Undichtigkeiten hilft eine Begrünung zwar nicht, aber sie ist geeignet, Schäden dieser Art dauerhaft zu vermeiden. Damit Hausbesitzer und Gewerbe nachprüfen können, ob ihr Dach potenziell geeignet ist, hat der Oldenburgerisch-Ostfriesiche Wasserverband (OOWV) ein eigenes Kataster erstellt. 

Dachbegrünung kontra Photovoltaik?

 Die Installation einer Photovoltaikanlage erleichtert sogar die Begrünung  und diese sorgt für leistungsfähigere Anlagen. Ein Experte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) erläutert: "Ab einer Betriebstemperatur von 25 Grad Celsius sinkt die Leistung einer Solaranlage mit jedem weiteren Grad um 0,5 Prozent. Da Pflanzen im Gegensatz zu nackten Ziegel-, Kies- oder Metalldächern Sonnenstrahlen kaum reflektieren, heizt sich die Solaranlage weniger auf. Im Sommer kann der Temperaturunterschied zwischen bepflanztem und unbepflanztem Dach bis zu 40 Grad und der Leistungsunterschied dadurch bis zu 20 Prozent betragen." Die Befestigung durch die Bepflanzung beschädige zudem nicht die Dach-Isolierung, was bei einer herkömmlichen Installation im Dachstuhl leicht passieren könne. Ein grünes Dach schließt also eine Photovoltaik-Anlage nicht aus.

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