Online-Bildungsangebot nutzen können.
Online- Kurse besuchen - das digitale Dorfmobil will Medienkompetenzen vermitteln.
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"Gesellschaft der Ideen"

Ausgezeichnet: Das digitale Dorfmobil!

Die Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen hat mit ihrer Idee des digitalen Dorfmobils überzeugt - beim Wettbewerb "Gesellschaft der Ideen" des Bundesbildungsministeriums wurden 30 Projekte ausgezeichnet, die nun erprobt und gefördert werden sollen. Projektleiterin Wendy Ramola von der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen erläutert im Interview mit KOMMUNAL, wie das digitale Dorfmobil funktionieren soll.

KOMMUNAL: Frau Ramola, herzlichen Glückwunsch! Die Ländliche Erwachsenenbildung konnte im Wettbewerb mit der Idee des digitalen Dorfmobils überzeugen.  Worum geht es dabei?

Wendy Ramola:  Unsere Idee ist es, mit mehreren digitalen Dorf-Mobilen direkt in die stadtfernen Dörfer zu fahren, um junge und alte Menschen zusammenzubringen und ihre Medienkompetenz zu verbessern.  Wir wollen also die digitale Bildung aufs Dorf bringen. Die Menschen auf dem Land müssen bis zur nächsten Bildungseinrichtung oft weite Wege zurücklegen und sind in Zukunft noch mehr als bisher auf digitale Angebote angewiesen.

KOMMUNAL: Wie soll das funktionieren?

Wendy Romola: Wir bringen in unserem Medienmobil die Hardware und Software und pädagogische Fachkräfte mit. Meine Kollegin Daniela Weinand, ebenfalls pädagogische Mitarbeiterin aus Dannenberg  bei der LEB, kam auf die Idee. Unterrichtet werden soll in geeigneten Räumen. Das ist gerade in Zeiten von Corona wichtig. Dazu brauchen wir Personen aus der Stadt, der Kirche oder in Vereinen, die uns unterstützen und sind auch mit unseren Kooperationspartnern in der Erwachsenenbildung im Gespräch.

Wendy Ramola von der LEB Niedersachsen
Wendy Ramola ist pädagogische Mitarbeiterin bei der Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. und leitet das Projekt "Digitales Dorfmobil".

KOMMUNAL: Was wollen Sie den Menschen beibringen?

Wendy Romola: Das geht bei vielen damit los, dass sie erst mal lernen müssen, einen Laptop zu starten. Sie lernen bei uns, sich eine E-mail-Adresse einzurichten und sich im Internet zurecht zu finden. Gerade auf dem Land, wo die Banken schließen, ist es wichtig, Online-Banking zu beherrschen. Oder sich über das Internet Medikamente bestellen zu können, wenn die nächste Apotheke zu weit weg ist.  Denken Sie auch an die Telemedizin!  Was aber das Wichtigste ist: Viele Ältere sind allein auf dem Dorf zurückgeblieben, Kinder und Enkelkinder wohnen weit weg. Ohne Whats app oder Skype ist es in Corona-Zeiten besonders schwierig, engen Kontakt zu halten.

KOMMUNAL: Wie soll die Schulung ablaufen?

Wendy Ramola: Das Neue an der Idee ist, dass wir Jung und Alt zusammenbringen wollen. Vor gut elf Jahren haben wir schon mal ein ähnliches erfolgreiches Projekt gestartet. Das nannte sich Leinefischer im Netz. Straffällig gewordene Jugendliche saßen im Stadtteilbüro neben den Omis und Opis und brachten ihnen bei, mit dem Computer umzugehen. Die einen können von den anderen lernen. Junge Menschen sind häufig fitter in der Nutzung der Technik, älteren Menschen fällt es häufig leichter, verschiedene Quellen zu sichten und zu bewerten. 

KOMMUNAL: Sie verfolgen damit auch andere Ziele.

Wendy Ramola: Ja, die Gesellschaft und die verschiedenen Nutzergruppen triften sonst weiter auseinander. In Zeiten von Face-News, gekauften Social-Media-Accounts und einer unterfinanzierten freien Presse nehmen die Zweifel an der Seriosität der Nachrichtungen und der Sicherheit der Kommunikationstechnologien zu.

KOMMUNAL: Was können Sie an digitalen Bildungsangeboten anbieten?

Wendy Ramola: Wir bieten in der Erwachsenenbildung diverse Bildungsprogramme an. Das reicht von Ökologischer Bildung, Gesundheitsbildung und politischer Bildung bis hin zu Sprachkursen und Kursen für künftige Seniorenbegleiter. Die Leute können  unsere Onlineveranstaltungen bereits jetzt besuchen. Die Ländliche Erwachsenenbildung muss sich aber auch selbst nach und nach umstellen. Derzeit arbeiten wir daran, die Onlinepräsenz noch mehr auszubauen. Wenn Vereine wie die Landfrauen, die immer älter werden, Nachwuchs finden wollen, geht es nicht ohne digitale Angebote.

KOMMUNAL:  Wie funktioniert das genau?

Wendy Ramola: Die Leute melden sich online an, bekommen einen Link zugeschickt. Darüber finden sie Schritt für Schritt erklärt, wie sie sich an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit im virtuellen Raum versammeln. Da gibt es verschiedene Formate: Entweder der Dozent ist allein zu sehen oder es können sich alle Teilnehmer sehen.

KOMMUNAL: Und wie geht es jetzt weiter mit der Idee des Dorfmobils?

Wendy Ramola: Wir gehen im nächsten halben Jahr in die Konzeptphase und suchen nach einer wissenschaftlichen Begleitung für das Projekt. Für diese Phase steht uns ein Preisgeld von 12.500 Euro zur Verfügung. Im Mai 2021 reichen wir das weiterentwickelte Konzept erneut beim Wettbewerb um soziale Innovationen ein. Danach werden zehn Vorhaben ausgewählt, die dann bis zu zwei Jahre zusammen mit den Wissenschaftlern lang erprobt werden. Zudem führen wir Experten-Interviews mit ähnlich gelagerten Projekten, um auf deren Erfahrungen zurückzugreifen. Ein erstes digitales Dorf-Mobil soll dann gemeinsam mit Hochschul- und Wirtschaftspartnern entwickelt und eingerichtet werden. Wenn wir unter den zehn Preisträgern sind, dann wird das Projekt und seine Umsetzung weiter gefördert.

KOMMUNAL: Jetzt muss nur noch das Internet funktionieren.

Wendy Ramola: Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt! Wir setzen darauf, dass der Breitbandausbau beschleunigt wird. Die Bundesregierung hat angekündigt, für schnelles Internet sorgen zu wollen - und die EU hat die Förderung des Ausbaus von sehr schnellen Breitbandnetzen mit Gigabit-Übertragungsgeschwindigkeit in Deutschland ja inzwischen genehmigt.

Der Wettbewerb:

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hofft gemeinsam mit unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren aus der Mitte der Gesellschaft auf neue Impulse für unser Miteinander.

Mit Gesellschaft der Ideen werden die besten Ideen für Soziale Innovationen gesucht, die den Austausch zwischen virtuell und real, Stadt und Land oder jung und alt anregen.

Hier geht es zu den Details des Wettbewerbs und hier zu den  Gewinnerideen!

Fotocredits: Wendy Ramola Foto Sarah Kleine, LEB