Im Nahverkehr drohen deutschlandsweit ab September deutlich höhere Preise
Im Nahverkehr drohen deutschlandsweit ab September deutlich höhere Preise
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ÖPNV-Inflation droht

9-Euro-Ticket: Wie es ab Herbst im Nahverkehr weitergeht

In knapp 5 Wochen läuft das 9-Euro-Ticket aus. Dann wollen die meisten Regionalverbünde zu den alten Preisen zurückkehren. Das ist die gute Nachricht! Denn: Bei der Rückkehr zu den alten Preisen wird es fast überall in Deutschland nicht lange bleiben. Es drohen flächendeckend deutliche Erhöhungen der Kosten im Nahverkehr. Ein Überblick:

Die Rufe, für den Nahverkehr ein neues, deutschlandweites Ticket-Modell zu schaffen, sind seit Einführung des 9-Euro-Tickets lauter geworden. Doch schaut man auf den Zeitplan, so ist ein direktes Anschluss-Modell völlig unrealistisch. Der Bund erteilt einer direkten Fortsetzung bereits eine Absage mit Hinweis darauf, hier seien die Länder in der Pflicht. Die Länder wiederum fordern deutlich mehr Geld vom Bund. Und aus den Kommunen ist ohnehin der Ruf nach mehr Realität zu hören. So sagt Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper etwa: "Bund und Länder sind mit dem 9-Euro-Ticket für die frohen Botschaften zuständig und Kommunen mit Tariferhöhungen für die harten Realitäten". Was er meint, weiß er in Stuttgart besonders gut. Denn der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen hat schon eine Preiserhöhung um knapp 5 Prozent empfohlen. Der Verkehrsverbund Stuttgart will die Preissteigerungen auch anwenden. Die Gründe liegen auf der Hand:

Extreme Strompreise, höhere Löhne, hohe Inflation - das belastet den Nahverkehr!

Die stark gestiegenen Strompreise der vergangenen Monate belasten die Kostenstruktur im Nahverkehr extrem. Gleichzeitig stehen die nächsten Tarifabschlüsse an, auch hier ist mit deutlichen Erhöhungen zu rechnen, schon weil die Inflationsrate auf einem Rekordniveau liegt. Die Erhöhungen bei den meisten Verkehrsverbünden im Nahverkehr dürften damit zum Jahreswechsel sicher sein.

In Frankfurt etwa steht die nächste Erhöhung schon fest. Der Aufsichtsrat für den dortigen Nahverkehr hatte schon vor Einführung des 9-Euro-Tickets eine Erhöhung des Tarifniveaus um rund 4 Prozent beschlossen. Zu diesem Zeitpunkt waren die weiter steigenden Strompreise und die Inflation in der Höhe noch gar nicht absehbar, eine weitere Erhöhungsrunde scheint somit nicht ausgeschlossen.

Noch laufen die Tarifdiskussionen bei den meisten anderen Verbünden im Nahverkehr. In Berlin etwa heißt es, man werde am 1. September erst einmal zu den alten Tarifen zurückkehren. Zum 1. Januar des kommenden Jahres sei aber mit Anpassungen zu rechnen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Die alternativen zu den jetzigen Tickets im Nahverkehr

Die ÖPNV-Inflation stoppen wollen vor allem Bahn-Lobyyverbände und Umweltschutzorganisationen. So hatte der Verband der Deutschen Verkehrsunternehen bereits ein deutschlandweit gültiges 69 Euro Ticket für den Nahverkehr ins Spiel gebracht. Nur wäre auch das nicht mit den tatsächlichen Kosten vereinbar und müsste vom Steuerzahler finanziert werden. Kritiker, wie etwa das Finanzministerium sagen, damit müssten auch diejenigen für das Ticket zahlen, die im ländlichen Raum wohnen und das Ticket gar nicht nutzen können. Der Bund verweist ohnehin auf die Schuldenbremse, die ab dem kommenden Jahr wieder eingehalten werden müsse, daher sei eine solche Finanzierung durch den Bund nicht möglich. Die Länder wiederum sehen ihre Lage ähnlich und fordern mehr Geld vom Bund.

Nahverkehr ist nur ein vergleichsweise kleines Problem im Vergleich zur Deutschen Bahn

Der Bund wiederum hat ohnehin massiv andere Sorgen mit seiner eigenen Firma, der Deutschen Bahn. Bahn-Experten schlagen schon länger Alaram. Die Kunden müssten nun "durch ein Tal der Tränen gehen". Dabei geht es weniger um die Kosten für das Ticket, als vielmehr um den maroden Zustand von Gleisen und Bahnen. Die Verspätungen im Fernverkehr haben in diesem Jahr ein neues 7 JAhres Rekordhoch erreicht. Mehr als ein Drittel aller Züge fahren deutlich später als geplant. Schuld ist unter anderem das marode Schienennetz, an dem in den kommenden Jahren gebaut werden soll. Gleichzeitig will man bis zum Jahr 2030 die Zahl der Fahrgäste verdoppeln und vor allem mehr Fracht auf die Schiene bekommen. Wachsen und modernisieren gleichzeitig also. Der Vizechef im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, Klaus-Dieter Hommel, meint dazu wörtlich: "Die Bahn und die Kunden werden durch ein Tal der Tränen gehen. Mit Verspätungen, Zugausfällen und einem Chaos, wie es die DB und ihre Kunden noch nicht erlebt haben". Es werde Jahre dauern, bis die Situation besser werde.