Auf dem Dach könnten die 5G-Masten am sinnvollsten angebracht sein.
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5G-Masten auf dem Schuldach?

Der Digitalpakt soll die Digitalisierung der Schulen voranbringen. Falsch genutzt kann er sich jedoch schnell als Strohfeuer erweisen, meint der Chef des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Einen Schlüssel zum Erfolg sieht er in der Zusammenarbeit von Schulen und Kommunen.

KOMMUNAL: Warum ist es so wichtig, dass die Schulen technisch gut ausgestattet sind?

Heinz-Peter Meidinger: Unsere Schulen haben einen umfassenden Erziehungs- und Bildungsauftrag. Dazu gehört heute selbstverständlich, dass sie unsere Kinder und Jugendlichen auch fit machen für eine Welt, die in allen Lebensbereichen immer stärker von Digitalisierung durchdrungen und geprägt sein wird.

 

Was sind die drängendsten Baustellen auf dem Weg zur Digitalisierung?

Zahlreiche Schulen verfügen noch nicht einmal über die Infrastruktur, die nötig ist, damit die neue Technik umfassend funktioniert. Es fehlt vielfach an Breitband- und Glasfaseranschlüssen und an einer vollständigen Wlan-Ausleuchtung. Es ist auch klar, dass heute die IT-Ausstattung einer Schule aufgrund der Komplexität nicht mehr von Lehrkräften selbst betreut werden kann. Wir brauchen an Deutschlands Schulen eine professionelle Wartung der IT-Systeme durch entsprechende Fachkräfte. Dabei müssen aber nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbands die Kommunen durch Bund und Länder entsprechend unterstützt werden. Schließlich brauchen wir eine entsprechende Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte. Das ist in erster Linie Aufgabe der Länder.

Heinz-Peter Meidinger rät zu 5G-Masten auf dem Schuldach.
Heinz-Peter Meidinger ist Präsident des Deutschen Lehrerverbands und Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums im niederbayerischen Deggendorf.

Eine Möglichkeit, eine belastbare Internetanbindung zu schaffen, sind 5G-Masten. Was würden Sie Schulen und Kommunen beim diesem Thema raten?

5G-Masten an Schulen sind ein sehr sensibles Thema. Viele Eltern und Lehrer haben hier noch Bedenken. Deshalb ist es wichtig, dass Kommunen alle Beteiligten, also etwa Schulen und Gremien, bereits im Vorfeld intensiv einbinden. Unter dem Gesichtspunkt der Strahlenbelastung kann es zum Beispiel für eine Schule besser sein, dass der 5G-Mast auf dem Schuldach und nicht in unmittelbarer Nähe neben einer Schule errichtet wird. Da müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden.

 

Werden die Mittel aus dem Digitalpakt ausreichen, um alle Schulen auf einen guten technischen Stand zu bringen?

Ich gehöre nicht zu denen, die die für die nächsten fünf Jahre bereitgestellten fünf Milliarden Euro als bloßen Tropfen auf den heißen Stein bezeichnen. Das ist schon eine Hausnummer, mit der man etwas bewegen kann und die bei kluger Umsetzung zu einer spürbaren Verbesserung der technischen Ausstattung beitragen kann. Aber eines ist auch klar: Ohne Fortschreibung des Digitalpakts über die nächsten fünf Jahre hinaus, werden wir diese riesige Herausforderung für unser Schulsystem nicht schultern können. Mich ärgert, dass jetzt schon der Bundesfinanzminister ankündigt, es werde keinen Digitalpakt II geben. Wenn die Investitionen nicht fortgeschrieben und die weitere Modernisierung der Schulen wegen fehlender Ressourcen gestoppt werden muss, könnte sich der Digitalpakt schnell als Strohfeuer erweisen.

Wie kommt es, dass die Länder so unterschiedlich lange brauchen, um ihre Förderrichtlinien zum Digitalpakt zu veröffentlichen?

Das ist eine gute Frage. Ich denke, viele Bundesländer haben ihre Hausaufgaben einfach nicht gemacht. Aber teils liegt es auch daran, dass die Länder ihre eigenen Förderprogramme für digitale Infrastruktur haben. So ist es etwa bei uns in Bayern. Da ist es dann schwierig Förderrichtlinien so zu definieren, dass sie sauber voneinander abgegrenzt sind. Ich hoffe aber, dass das Land bald eine Richtlinie veröffentlichen wird.

 

Was müssen die Kommunen tun, damit die Mittel schnell und gerecht verteilt werden können?

Wichtig ist meines Erachtens – ähnlich wie bei 5G-Masten – eine ganz enge Abstimmung zwischen den Schulen und den Kommunen als Sachaufwandsträgern. Die Kommunen sollten einen genauen Überblick sowohl über den derzeitigen Stand der Ausstattung als auch die spezifischen Bedürfnisse einzelner Schulen haben. Ich setze dabei auf einen gegenseitigen Dialog, der übrigens flächendeckend meist gut funktioniert.

Warnen möchte ich allerdings vor Insellösungen. Ich glaube schon, dass die Kommunen gut beraten sind, bei der Digitalisierung einheitliche Konzepte zu verfolgen, was sich letztendlich auch auf Wartung und Kosten günstig auswirken wird. Als Beispiel: Mein eigener Sachaufwandträger, der Landkreis Deggendorf, will für alle weiterführenden Schulen gemeinsam die gleichen Smartboards anschaffen. Einen so geringen Stückpreis und so günstige Wartungsverträge hätte eine einzelne Schule niemals bekommen können.

Aus Ihrer Erfahrung: Haben die meisten Schulen bereits medienpädagogische Konzepte, die die Digitalisierung an den Schulen begleiten?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Technik der Pädagogik folgen muss und nicht umgekehrt. Deshalb brauchen Schulen Medienkonzepte. Darin geht es um weit mehr als die technische Seite, sondern auch um die Erziehung hin zu einem souveränen, selbstbewussten, aber auch kritischen Umgang mit neuen Medien, Stichworte sind Fakenews oder auch Datenschutz. Viele Schulen haben solche Konzepte, die meisten anderen sind dabei, diese zu erarbeiten.

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